Unverzichtbare psychotherapeutische Basics:
Bindungorientierter Ansatz
Der Mensch kommt mit der Notwendigkeit zur Bindung an andere Menschen zur Welt. Nicht immer ist die Bindungserfahrung zu Beginn des Lebens so sicher wie benötigt, um gesund heranzuwachsen. Psychotherapeutische und neurobiologische Forschung belegen deutlich, dass heilende Bindungerfahrungen ein wesentlicher Bestandteil erfolgreicher Behandlung von Krankheiten sind.
Deshalb ist auch die Art der therapeutischen Beziehung der wichtigste Wirkfaktor für den Erfolg einer Behandlung. Es heilt immer in erster Linie das Zwischenmenschliche und nicht die angewandte Methode.
Systemischer Ansatz
Jede(s) Problem/Störung kann nicht nur individuell betrachtet werden, sondern muss als Teil des Gesamtsystems (Familie, Arbeitsplatz, Gesellschaft) analysiert werden.
Probleme hat somit nicht nur allein der Klient, sondern sie entstehen immer durch unbewusste Verstrickungen zwischen den Mitgliedern einer Familie oder eines Systems.
Ganzheitlicher Ansatz
Jedes Symptom, jede Erkrankung ist eine Reaktion auf psychoneuroimmunologische Prozesse und entsteht aus einem Zusammenspiel äußerer und innerer Faktoren. Damit bildet ein Symptom auch immer ein Signal für den betreffenden Mensch, was auf unbewusster Ebene in ihm vorgeht. Diese Zusammenhänge verstehen und annehmen zu lernen, ist eine Grundvoraussetzung für Heilung.
Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, für den muss jedes Problem ein Nagel sein.
(Paul Watzlawick zugeschrieben)
Würden wir nicht jeden Handwerker für verrückt oder mindestens für dumm halten, der als einziges Werkzeug einen Hammer benutzt, wo doch handwerkliche Aufgaben so vielfältige und hilfreiche weitere und andere Werkzeuge erfordern. In der praktizierten Psychotherapie im deutschen Gesundheitssystem ist es jedoch so, dass beste und wirksamste "Werkzeuge" noch viel zu wenig eingesetzt werden.
Seit über 30 Jahren arbeite ich im psychiatrisch-psychotherapeutischen Gesundheitsbereich und nehme mit großer Betroffenheit wahr, dass effektive und wissenschaftlich fundierte Behandlungsansätze oft außen vor bleiben. In den letzten 20 Jahren wurden im medizinischen Bereich in der Erforschung von körperlich-seelischen Prozessen und Zusammenhängen bahnbrechende Fortschritte gemacht. Durch die wissenschaftlichen Ergebnissen der Hirnforschung, der neuroimmunologischen und endokrinologischen Forschung kristallisierten sich auch klare Hinweise heraus, welche psychotherapeutischen Ansätze wirksam sind und Patienten helfen und welche nicht. Behandlungsansätze konnten effektiv weiterentwickelt und verbessert werden. Leider sind diese Erkenntnisse immer noch nur unzureichend in den Medizinbereich aufgenommen worden, geschweige denn, dass auch die wichtige Bedeutung dieses Wissens für gesamtgesellschaftliche Antworten genug registriert und gewürdigt wird.
- Es konnte nachgewiesen werden, dass der bewusste Wille und die kognitiven Prozesse, in keiner Weise das entscheidende Kriterium für unser menschliches Verhalten bilden, sondern dass unbewusste emotionale Prozesse und hirnstrukturelle Muster dafür ausschlaggebend sind.
- Es konnte nachgewiesen werden, dass frühe und kindliche Erfahrungen (Prägungen) absolut ausschlaggebend sind, für das, wie wir fühlen, denken und uns verhalten, weil sich diese Erfahrungen in unserem Gehirn auch körperlich manifestieren.
- Es konnte nachgewiesen werden, dass jedes Symptom, dass sich bei einem Menschen zeigt, eine Geschichte seiner körperlich-seelischen Erfahrungen mitteilt.
- Es konnte nachgewiesen werden, dass die Beziehungen, die zu Beginn des menschlichen Lebens vorherrschen, die Beziehungen des ganzen Lebens beeinflussen.
- Es konnte nachgewiesen werden, dass bei Menschen mit belastenden Kindheitser-fahrungen bzw. frühen Stresserfahrungen die höchste Rate an Erkrankungen jeglicher Art auftritt.
- Es konnte nachgewiesen werden, dass es zum Verständnis eines Menschen und seines Verhaltens, Fühlen und Denkens und eben auch seiner Symptome und Krankheiten unerlässlich ist, seine Geschichte zu kennen.
- Es konnte nachgewiesen werden, dass dieses Wissen in der intensiven Auseinandersetzung mit dem betreffenden Menschen (z.B. im Rahmen einer Psychotherapie) Grundvoraussetzung ist, positive Entwicklungen zu fördern und negative Muster langsam zu lösen.
- Es konnte nachgewiesen werden, dass auch schädliche Erfahrungen und Prägungen mit guter zwischenmenschlicher Beziehung verändert werden können, weil unser Gehirn sich immer wieder umstrukturieren kann, wenn entsprechende Emotionen und Körperprozesse angestoßen werden.